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Sonnenschutz

Was genau ist dieses SPF, LSF & Co.?

Beim Kauf einer Sonnencreme achten die meisten Verbraucher am stärksten auf den Lichtschutzfaktor. Getestet wird dieser Wert übrigens direkt am Menschen, im sogenannten in-vivo Verfahren. Aber: Allein ein hoher Lichtschutzfaktor macht noch keine gute Sonnencreme.

Die Angabe des Lichtschutzfaktors (LSF) auf der Verpackung einer Sonnencreme gehört zu den wirkungsvollsten Marketingmaßnahmen, um das Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen. Aber was sagt uns diese Angabe? Der Lichtschutz- oder Sonnenschutzfaktor beschreibt den Schutz der Haut vor den direkten und sichtbaren Schäden durch UV-Bestrahlung, also vor dem Sonnenbrand, fachspezifisch Erythem genannt. Diese Rötung der Haut, das erste sichtbare Zeichen einer Hautschädigung, wird im UV-Licht-Wellenbereich 290-400 nm verursacht.

Aber: Die weitläufige Annahme, dass der LSF ausschließlich dem Schutz gegen die UVB-Strahlung dient, ist FALSCH. Es sind nämlich nicht die UVB-Strahlen allein für Schäden an der Haut verantwortlich. Auch ein Teil der UVA-Strahlung, der strahlungsintensive Bereich von 320-400 nm, zeigt sich für eine mögliche Entstehung eines Sonnenbrandes verantwortlich. Fast 15 % der gesamten Erythem (Sonnenbrand) wirksamen Bestrahlung befinden sich in diesem Bereich. Und über den Schutz vor Hautalterung und Hautkrebs sagt dieser LSF-Wert auch nichts aus. 

Die alte Gedankenstütze B=Burn, die lediglich UVB-Strahlen für Schädigungen verantwortlich machte, ist aus vielerlei Hinsicht überholt. Heute wissen wir, dass beide Seiten, UVA und UVB, ihre Gefahren haben.

Was bedeuten die verschiedenen Abkürzungen im Zusammenhang mit dem Lichtschutzfaktor?

  • UVA (400-320 nm) + UVB (320-290 nm) 
    Bereiche der elektromagnetischen Strahlung im optischen Bereich. Die Angaben der ultravioletten Strahlung erfolgt in Nanometer.
  • LSF
    Lichtschutzfaktor
  • SPF
    Sun Protection Factor
  • SSF
    Sonnenschutzfaktor
  • IP
    Indice de Protection Solaire
  • FPS
    Le Facteur de Protection Solaire
  • ISO
    Internationale Organisation für Standardisierung
  • ISO 24444
    Regelung zur in-vivo Bestimmung des Sonnenschutz-, bzw. Lichtschutzfaktors
  • in-vivo Test
    Stammend aus dem Lateinischen vivus bedeutet es aus dem Lebenden. Reaktionen am, bzw. im lebenden Organismus werden getestet.
  • in-silico Test
    Vom Lateinischen in silico. Ergebnisse werden anhand Computersimulationen erhoben und ausgewertet. Die Arbeit mit dem Sunscreen Simulator ist ein in-silico Test, bzw. eine in-silico Studie.

Für Verbraucher ist die Angabe des Lichtschutzfaktors wichtig, weil so die theoretische maximale Aufenthaltszeit in der Sonne errechnet werden kann: Durch Multiplikation von Eigenschutzzeit und Lichtschutzfaktor. Die Eigenschutzzeit bezeichnet die Zeit, die man sich ungeschützt in der Sonne aufhalten kann, bevor es zum ersten Zeichnen eines Sonnenbrandes kommt. Je nach Hauttyp kann diese sehr unterschiedlich sein. 

Ein kleines Rechenbeispiel: Sie gehören zum Hauttyp 2, bekommen nach ca. 10 min erste Zeichen einer Hautrötung und verwenden einen Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 20. Macht 10 Minuten x 20 LSF = 200 Minuten. Bitte bedenken Sie, dass dieser Wert rein theoretisch zu betrachten ist. In der Realität kann die Zeitspanne aufgrund einer zu geringen Auftragsmenge, nach dem Baden usw. geringer ausfallen. Reizen Sie den errechneten Zeitraum daher nicht aus. Besser Sie sonnen sich davon nicht mehr als 50 Prozent. 

Applikationsmenge 

Zu beachten: Es wird hier nur dem Sonnenbrand Bedeutung geschenkt. Andere Schäden, die zu langfristigeren Effekten führen, werden dabei nicht berücksichtigt. Unsere Haut sammelt quasi all diese Schäden und „erinnert“ sich. Jahre später können Effekte wie Hautalterung und Hautkrebs dann ganz akut werden. 

Generell gehen Wissenschaftler davon aus, dass eine Mehrzahl der Verbraucher den LSF-Schutz ihres verwendeten Sonnenschutzproduktes gar nicht in Anspruch nehmen können, weil sie schlicht zu wenig des Produktes auf ihre Haut auftragen. In Untersuchungen und einer Reihe von Tests wurde nachgewiesen, dass eine lineare Abhängigkeit zwischen Auftragsmenge und Sonnenschutzfaktor existiert. Nimmt man an, dass etwa die Hälfte der Standardmenge aufgetragen wird, ergibt sich daher ein effektiver Sonnenschutzfaktor von etwa 50% des ausgelobten Wertes.

Der LSF in-vivo wird mit einer Applikationsmenge von 2mg/cm2 gemessen. Dies sind sehr hohe Mengen, die in der Realität nicht angewendet werden. Die „übliche“ Applikationsmenge beträgt nur etwa 1mg/cm2. Dies bedeutet, dass der LSF in Realität (in Abhängigkeit der Applikationsmenge) nur etwa die Hälfte des ausgelobten SPFs beträgt.

Bei vielen Verbrauchern hat es sich quasi ins Gedächtnis eingebrannt, dass ein möglichst hoher LSF den bestmöglichen Schutz vor den schädlichen UV-Strahlen verspricht, und man entsprechend länger in der Sonne bleiben kann. Viele Hersteller haben sich in der Vergangenheit geradezu überboten was die LSF-Werte angingen. Mit 100+ sollte der Kundenkreis erweitert werden.

Dabei kann man den LSF lediglich als Indikator für die Quantität des Schutzes verstehen. Der Anteil des UVA-Schutzes wiederum steht für die Qualität des gesamten UV-Schutzes. Für das Verständnis, was eine gute Sonnencreme ausmacht, ein nicht zu vernachlässigender Fakt. 

Wie in vielen Bereichen des Sonnenschutzes, wird weiter entwickelt, geforscht und verbessert. Dazu gehören auch neue Regularien und eine Vereinheitlichung von Angaben. So wurden die 100+ im Prinzip einkassiert, stattdessen eine Höchstgrenze von 50+ eingeführt. 

Sie wollen wissen, welche Menge erforderlich ist? Schauen Sie sich unsere kurze Erklärung im Video an. Unsere Expertin Myriam hat ein ganz einfaches Beispiel für sie an der Hand, wieviel Sonnencreme Sie verwenden müssen, um den versprochenen Schutz zu bekommen.

Zum Video

Dies hat vor allem auch aus psychologischer Sicht viele Vorteile. Ein zu hoher LSF-Wert kann die Verbraucher dazu verleiten, zu lange in der Sonne zu bleiben, oder auch bei der Verwendung der Sonnencreme etwas nachlässig zu werden.

Die neue Einteilung soll dies verhindern:

  • LSF 6-10 – niedriger Schutz
  • LSF 15-20 – mittlerer Schutz
  • LSF 30-50 – hoher Schutz
  • LSF 50+ - sehr hoher Schutz

Eine Kombination wirksamer UVB-, UVA- und/oder Breitbandfilter, die einen Rundum-Schutz bieten, ist zu einem MUSS geworden. Sonnenschutzprodukte müssen Schutz vor Sonnenbrand bieten, das Risiko der Entstehung von Hautkrebs stark reduzieren und sollen die UV-bedingte Hautalterung quasi aufhalten. Um all dies zu erreichen, braucht es a.) eine hohe Schutzleistung im gesamten Lichtspektrum und b.) eine gute und sinnvolle Kombination an UV-Filtern, Ölen und weiteren Bestandteilen der Formulierung. Eine gute Sonnencreme ist viel mehr als ein hoher SPF.

Aber wie kommen Hersteller und Formulierer eigentlich zu den LSF-Angaben ihrer Produkte? Darüber sprechen wir in einem unserer kommenden Artikel mit unseren Kollegen der BASF Grenzach. Welche Rolle spielen Normen? Wie laufen Tests zum LSF und dem UVA-Schutz ab? Woran arbeiten die Wissenschaftler mit Blick auf die in-vivo und in-vitro Tests? Hier dreht sich weiter alles um die Sonne, versprochen.