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Haut & Hauttypen

Mensch und Sonne: Reaktionen gibt es viele

Wir lieben die Sonne und werden nicht müde dies zu erwähnen. Sie ist aber nicht nur verantwortlich für unser Leben, sie sorgt manchmal auch für Ärger und gesundheitliche Probleme. Und da kommt unsere zweite Herzensangelegenheit ins Spiel: Sonnenschutz. Unser Körper und die Sonne pflegen eine Beziehung, die die unterschiedlichsten Reaktionen hervorruft.

Glühend heiß, tödlich strahlend und alles verschlingend, was in ihren Anziehungsbereich gelangt. Auf und in der Sonne herrschen höllische Temperaturen. Im Innern sind es 15 Millionen Grad Celsius, auf der Oberfläche knapp 6.000°C. Trotzdem gilt ihr Licht als Quelle des Lebens auf der Erde. Unser Tageslicht verdanken wir der Tatsache, dass jeder Quadratmeter auf der Sonne heller leuchtet als eine Million Glühbirnen und das auf die Erde treffende Sonnenlicht in der Erdatmosphäre gestreut wird. Ohne das Sonnenlicht sähe es für die Erde zappenduster aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Pflanzen, Tiere und Menschen gäbe es nicht, und auch sonst keine Form von Leben. 

„UV-Strahlung schädigt nicht nur die DNA und erhöht somit das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs, UV-Strahlung schwächt auch sehr stark das Bindegewebe in unserer Haut und ist somit einer der Hauptfaktoren für vorzeitige Hautalterung“, so Dr. Christian Cremer, Direktor Global Development & Technical Service UV Protection bei BASF in Grenzach.

Positive Auswirkungen von Sonnenlicht

  • Sonnenstrahlen regen die Bildung von Stickoxid in der Haut an und begünstigen damit eine Weitung der Blutgefäße (Vasodilatation), was den arteriellen Druck mindert und den Blutdruck senkt. Dadurch reduziert sich langfristig das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall 
  • Sonnenlicht regt Atmung, Kreislauf sowie den Stoffwechsel an Bildung von Vitamin D 
  • Verdickung der oberen Hautschicht. 
  • Bei ausreichend Sonnenlicht schüttet der Körper verstärkt das Glückshormon Serotonin aus, das die Stimmung verbessert und die Menschen ausgeglichener, zufriedener und glücklicher macht 
  • Sonnenlicht hemmt die Bildung des müde machenden Schlafhormons Melatonin

Auch nicht direkt sichtbare Schäden können verursacht werden, z.B.

  • Direkte und indirekte Schädigung der DNA 
  • Schädigung von Kollagen und Elastin 
  • Bildung von freien Radikalen 
  • Immunsuppression 
  • Entzündungen der Binde- und Hornhaut der Augen

Sichtbare Anzeichen für übermäßige Sonnenexposition

  • Sonnenbrand (hauptsächlich UVB, teilweise UVA)
  • Vorzeitige Hautalterung / Falten / Lederhaut / Pigment-, bzw. Altersflecken
  • Hautkrebs (Basal- und Plattenepithelkarzinom, Melanom)
  • Linsentrübung in den Augen
  • Hitzeschäden, z.B. Sonnenstich
  • Verstärkte Melaninproduktion zum Eigenschutz der Haut, was zu einer Bräunung führt

Neben den genannten Schäden zeichnet sich die UV-Strahlung, besonders auch die UVA-Strahlung für weitere gesundheitliche Probleme verantwortlich. Hier sind Sonnenallergie, Dermatosen, Mallorca-Akne und Schneeblindheit genannt. Wobei der Begriff Sonnenallergie eher in der Umgangssprache Anwendung findet und als Art Überbegriff für ganz unterschiedliche Hautreaktionen in Verbindung mit Sonnenlicht steht. In ganz extremen Fällen vertragen einige Menschen im Prinzip gar keine Dosis UV-Licht und müssen tagsüber im Haus bleiben. Doch in diesem Artikel wollen wir gar nicht auf die Probleme mit dem UV-Licht eingehen. In einem zukünftigen Artikel werden wir dies bestimmt aufgreifen. 

Hier und heute geht es vielmehr um die Art von Strahlung, die in Bezug auf Sonnenschutz nicht so häufig erwähnt wird: Die Infrarot-Strahlung (IR). Im Gegensatz zu den UV-Strahlen, nicht sichtbar und nicht direkt spürbar, macht sich die IR-Strahlung deutlich bemerkbar. Unser Körper nimmt nämlich ihre Energie auf und die Moleküle fangen förmlich an zu tanzen. Mit dem Ergebnis: Wärme. Also mit genau der Reaktion, mit der wir die Sonne in Verbindung bringen, sie wärmt uns. Zwar findet ein Großteil der Absorption von IR-B und IR-C Strahlung bereits an der Hautoberfläche (Epidermis) statt, die Wärme findet jedoch scheinbar mühelos ihren Weg in die Körpermitte. Diese Wirkungsweise macht sich z.B. die Medizin zu nutze. Viele werden bei Rückenschmerzen bestimmt schon einmal eine Wärmelampe genutzt haben, oder?

Wer mehr über die IR- oder auch Wärmestrahlung erfahren möchte: Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt es viele interessante Themen und Fakten zum Thema.

Viele Menschen glauben übrigens immer noch, dass es genau diese heißen IR-Strahlen sind, die für den Sonnenbrand verantwortlich sind. Eben weil sie heiß sind.

Dass dies nicht der Fall ist, erklärt unser Kollege Prof. Dr. Bernd Herzog im Video nebenan.

Prof. Dr. Bernd Herzog: Heiße Strahlen gleich Sonnenbrand. Stimmt das?

Unsere Haut - unser Thermostat 

Unsere frühen Vorfahren hatten nur wenige Hilfsmittel, um sich vor Hitze und Kälte zu schützen. Dazu leistet die Haut einen wichtigen Beitrag: sie sorgt dafür, dass der Körper eine gleichbleibende Temperatur aufrechterhalten kann. Sinkt die Umgebungstemperatur, ziehen sich kleine Blutgefäße in den oberen Hautschichten zusammen und geben so weniger Wärme ab. So wird ein Auskühlen des Körpers verhindert. Aus ähnlichem Grund bekommen Sie bei Kälte Gänsehaut: Dabei ziehen sich die kleinen Muskeln der Haarbälge zusammen. 

Bei hohen Temperaturen funktioniert dieser Mechanismus umgekehrt. Dann können sich die Blutgefäße ausdehnen. Das Blut kühlt ab, und die Körpertemperatur sinkt. Zusätzlich produzieren die Schweißdrüsen Flüssigkeit, die auf die Hautoberfläche geleitet wird. Durch die Verdunstungskälte wird der Körper ebenfalls gekühlt. 

Unsere Haut - unser Schutz gegen Flüssigkeitsverlust 

Auch wenn man es uns nicht ansieht: Der menschliche Körper besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Ein starker Wasserverlust wäre für uns lebensgefährlich. Die Haut sorgt mit dafür, dass das nicht passiert. Sie gibt nur so viel Wasser ab, wie nötig ist, um die Körpertemperatur zu regulieren. Pro Tag/Nacht ist das ungefähr ein halber bis ein Liter. Das kann sich um ein Vielfaches erhöhen, wenn wir Sport treiben. Und trotz aller natürlich eigenen Schutzmechanismen kann die Haut als Schutzschild an ihre Grenzen stoßen. Sind wir über längere Zeit den heißen Sonnenstrahlen ausgesetzt, wird die Haut Belastungen ausgesetzt, die sie alleine nicht mehr regulieren kann.

Das Bad in der Sonne sollte nicht ohne Vorsicht und nicht zu sorglos genossen werden.
Das Bad in der Sonne sollte nicht ohne Vorsicht und nicht zu sorglos genossen werden.

Wenn die Sonne sticht 

Schauen wir uns als Beispiel mal Cabriofahrer an. Den ganzen Tag durch die Gegend cruisen, den blauen Himmel, die strahlende Sonne und den kühlen Fahrtwind genießen. Herrlich. Abends daheim dann die Quittung dafür, dass man das Cap oder den Sonnenhut vergessen hat. Sonnenstich. Übrigens: Cabriofahrer sollten unbedingt auch ausreichend Sonnencreme benutzen, um einen Sonnenbrand zu vermeiden.

Diese Art des Hitzeschadens tritt auf, wenn Kopf, Hals und Nacken über einen längeren Zeitraum Sonnen- und IR-Strahlung ausgesetzt waren. Die Wärmestrahlung, im Fall eines Sonnenstichs einfach viel zu intensiv, reizt die Hirnhaut, entzündet sie in schlimmen Fällen sogar.

Der Tag klingt mit hochrotem Kopf aus. Dazu können Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und leichte Verwirrtheit für Unwohlsein sorgen. Obwohl die Körpertemperatur sich vielleicht höher anfühlt, tritt beim Sonnenstich kein Fieber auf. In extremen Fällen kann es zur Bewusstlosigkeit kommen oder sich ein Hirnödem bilden. 

Auch wenn wir Cabriofahrer als Beispiel angeführt haben: Besonders Babys und Kleinkinder sind Sonnenstich gefährdet. Auch glatzköpfige und ältere Menschen sind anfälliger für den Stich der Sonne. 

Die passende Reaktion 

Treten die Symptome auf, wenn man noch unterwegs ist, sollte man sofort aus der Sonne raus. Kühle Tücher für Kopf und Nacken können für rasche Linderung sorgen. Zudem sollte auch reichlich lauwarme oder nur leicht kühle Flüssigkeit getrunken werden. Keine eiskalten Getränke, auch wenn es verlockend erscheint. Tritt nach einer Weile keine Verbesserung ein, dann ist ein Besuch beim Arzt keine schlechte Maßnahme. Kinder mit Verdacht auf Sonnenstich sollten am besten direkt zum Doktor gebracht werden. Sie können auf Hirnhautreizungen viel empfindlicher reagieren als Erwachsene. 

Neben dem Sonnenstich gibt es weitere Hitzeschäden, die den Körper belasten und schaden können. Bei Hitzekrämpfen hat der Körper zu viel Flüssigkeit und vor allem Salz verloren, so dass die Muskeln anfangen zu zittern und zu krampfen. Trinken salzhaltiger Getränke beugt dem vor und kann auch bei ersten Anzeichen helfen. Beim Anstieg der Körpertemperatur kann es zum Hitzekollaps, in schwerwiegenden Fällen auch zum Hitzschlag kommen. 

Vorbeuge ist besser als Nachsorge 

Auch wenn IR-Strahlung keinen Sonnenbrand verursacht, so müssen wir uns schützen. In diesem Fall besteht der Sonnenschutz jedoch nicht aus den bekannten Sonnenschutzmitteln und Sonnencremes. Tragen Sie Sonnenhut, suchen Sie Schatten, kühle Räume und sorgen Sie dafür, ausreichend viel zu trinken. In der Mittagszeit in der prallen Sonne herumturnen, wenn man es nicht muss, ist keine gute Idee. 

Planen Sie den Tag in der Sonne und geben Sie auf sich acht. Wir wollen doch alle die Sonnentage unbeschwert genießen.